Jerusalem und das Heilige Land

Schon seit Jahrtausenden zieht es Menschen ins Heilige Land, ob als Eroberer, Wallfahrer, Siedler oder Touristen. Und immer war es das Verlangen dieser Menschen, im Heiligen Land etwas von dem Geheimnis zu erleben, das jene Orte umgibt, von denen sie gelesen haben und von denen seit Jahrtausenden berichtet wird.
Eine Pilgerreise ins Heilige Land ist somit immer eine Begegnung mit dem eigenen Glauben. Auf den Spuren des Alten und Neuen Testaments wandeln und den Wegen Jesu folgen – eine intensivere Begegnung mit den Wurzeln des Christentums kann es nicht geben.
Zugleich sind in kaum einem anderen Land Geschichte und Glauben, verschiedene Traditionen und Kulturen aber auch aktuelle politische Fragen auf engstem Raum so gegenwärtig wie in Israel.

Höhepunkt einer Reise ins Heilige Land ist Jerusalem, die Stadt, die für die drei monotheistischen Weltreligionen, Judentum, Christentum und Islam, gleichermaßen von großer Bedeutung ist. Für die Juden ist Jerusalem die Hauptstadt des alten Israels und Stätte, an der einst der Tempel stand. Die Christen verehren Jerusalem als Ort der Kreuzigung und Auferstehung Jesu und damit als Zentrum ihres Glaubens. Für Muslime ist Jerusalem nach Mekka und Medina die dritte bedeutendste heilige Stätte, da der Überlieferung nach der Prophet Mohammed vom Felsen des Tempelberges seine Himmelsreise angetreten hat.
Jerusalem kann auf eine 3000jährige Geschichte zurückblicken. Erstmals erwähnt um 2000 vor Christus war die Stadt zunächst Hauptstadt des alten Israels.

Die Römer eroberten Jerusalem 63 vor Christus. Bei der Niederschlagung des Aufstandes der Juden 70 nach Christus zerstörten sie den Zweiten Tempel und besiegelten damit das Ende der jüdischen Eigenstaatlichkeit. Im siebten Jahrhundert nach Christus übernahmen die Perser die Macht in Palästina. Seit dieser Zeit gehörte Jerusalem zum muslimischern Herrschaftsbereich, lediglich unterbrochen durch die Kreuzfahrerzeit von 1099 bis 1187. Im 16. Jahrhundert kam Palästina unter türkische Herrschaft, diese Osmanische Epoche dauerte bis zum britischen Mandat, das der Völkerbund 1920 erteilte, nachdem britische Truppen im Ersten Weltkrieg das Land erobert hatten.

Mit der UN-Resolution von 1947, die Palästina in einen jüdischen und einen palästinensischen Teil teilt, wurde Jerusalem zur internationalen Stadt erklärt. Dieser Status gilt völkerrechtlich noch heute, wird aber weder von Israelis noch von Palästinensern akzeptiert. Von 1948 bis 1967 war die Stadt zwischen Jordanien und Israel geteilt, 1967 wurde sie im Sechs-Tage-Krieg von Israel eingenommen.1980 erklärte die Knesset, das israelische Parlament, Jerusalem zur Hauptstadt Israels, ein Anspruch, der international kaum Rückhalt findet, denn fast alle Botschaften haben ihren Sitz in Tel Aviv. Bis heute gibt es für die Frage nach dem endgültigen Status der Stadt keine Antwort, dieses Problem wurde bei den Friedensprozessen zwischen Israelis und Palästinensern immer wieder vertagt.